Preise, die aus einem Katalog kommen
Warum ein Kostenrechner besser ist als eine Preisliste — und was passiert, wenn man Zahlen im Quelltext verstreut.

„Was kostet eine Website?" ist die häufigste Frage, die ich bekomme, und die einzige, auf die es keine kurze Antwort gibt. Jahrelang habe ich sie mit „kommt darauf an" beantwortet. Das stimmt, hilft aber niemandem — und es kostet Aufträge, weil der Fragende danach nicht schlauer ist als vorher.
Warum eine Preisliste nicht funktioniert
Der naheliegende Ausweg ist eine Liste: Website ab 2.500 €, Shop ab 6.000 €, Portal auf Anfrage. Das Problem daran ist nicht der Preis, sondern das Wort „ab". Es sagt dem Leser, dass die echte Zahl höher liegt, verrät aber nicht, wie viel höher. Wer vorsichtig ist, rechnet mit dem Doppelten und fragt gar nicht erst.
Die zweite Variante — Pauschalpakete mit Häkchenlisten — hat das umgekehrte Problem. Sie ist eindeutig, aber falsch: Kein Projekt passt genau in ein Paket, und was nicht hineinpasst, wird entweder verschenkt oder nachträglich berechnet. Beides ärgert.
Was stattdessen da ist
Auf merkinity.com steht ein Rechner. Man wählt die Art des Vorhabens, die Anzahl der Seiten, ob es einen Shop gibt, ob Inhalte geschrieben werden müssen, ob eine Anbindung an bestehende Systeme nötig ist — und bekommt eine Spanne. Keine feste Zahl, sondern eine Spanne mit Unter- und Obergrenze, und darunter steht, wovon es abhängt, ob man am unteren oder oberen Ende landet.
Eine Spanne ist ehrlicher als eine Zahl. Sie sagt: So viel kostet es, wenn alles glattgeht, und so viel, wenn nicht. Wer damit nicht leben kann, wäre auch mit einer Festpreiszusage nicht glücklich geworden.
Der Fehler, den ich zuerst gemacht habe
Die erste Fassung des Rechners hatte die Preise dort stehen, wo sie gebraucht wurden: mitten in der Berechnung. Ein Stundensatz hier, ein Zuschlag dort, ein Faktor für den Shop weiter unten. Das funktionierte — bis ich den Stundensatz änderte.
Ich habe drei Stellen gefunden und zwei übersehen. Der Rechner gab danach Zahlen aus, die zu keiner Kalkulation mehr passten, und zwar nur bei bestimmten Kombinationen. Aufgefallen ist es, als ein Angebot deutlich unter dem lag, was ich im Kopf hatte.
Das ist die Sorte Fehler, die keine Fehlermeldung erzeugt. Nichts stürzt ab, nichts ist rot, die Seite sieht aus wie immer — und die Zahl ist falsch.
Preise gehören in einen Katalog
Heute stehen alle Preise in einer einzigen Datei. Nicht als verstreute Zahlen, sondern als Katalog: jede Position mit Bezeichnung, Einheit, Preis und einem Satz dazu, was sie umfasst. Die Berechnung selbst enthält keine einzige Zahl mehr — sie schlägt nach.
Das hat drei Folgen, von denen ich nur eine erwartet hatte.
Erwartet: Eine Preisänderung ist eine Zeile. Der Stundensatz steht an genau einem Ort, und wenn er sich ändert, ändert sich alles, was darauf aufbaut.
Nicht erwartet: Der Katalog ist zur Grundlage der Angebote geworden. Dieselben Positionen, die der Rechner benutzt, stehen später im Angebot — mit denselben Bezeichnungen. Der Kunde erkennt wieder, was er im Rechner gesehen hat, und muss nicht übersetzen.
Ebenfalls nicht erwartet: Der Katalog zwingt zur Klarheit. Solange ein Preis im Kopf existiert, darf er unscharf bleiben. Sobald er mit Einheit und Beschreibung in einer Datei steht, muss man entscheiden, ob „Einrichtung Hosting" pauschal oder nach Aufwand geht — und was genau dazugehört.
Geprüft wird das Rechnen, nicht die Anzeige
Der Rechner hat Tests, aber nicht dort, wo man sie zuerst vermutet. Geprüft wird nicht, ob die Oberfläche die Zahl anzeigt, sondern ob die Rechnung stimmt: Ergibt die Summe der Positionen den Gesamtpreis? Bleibt die Untergrenze unter der Obergrenze? Kommt bei derselben Eingabe zweimal dasselbe heraus?
Das sind langweilige Prüfungen. Sie haben trotzdem zwei Fehler gefunden, die ich sonst erst in einem Angebot bemerkt hätte — und ein Fehler in einem Angebot kostet nicht nur Geld, sondern Glaubwürdigkeit.
Was der Rechner nicht kann
Er ersetzt kein Gespräch. Er sortiert vor: Wer eine Spanne sieht, mit der er nicht leben kann, meldet sich nicht — und das ist für beide Seiten besser als ein Termin, an dessen Ende die Zahl im Raum steht. Wer sich meldet, kommt mit einer Vorstellung, über die sich reden lässt.
Seit der Rechner online ist, hat sich die Zahl der Anfragen etwa halbiert, und die Zahl der Anfragen, aus denen ein Auftrag wurde, hat sich nicht verändert. Das ist genau das, was er tun sollte.

